Historie


Daten zur Geschichte des Kurmittelhauses

1788

König Friedrich Wilhelm II. besucht erstmals den Freienwalder Gesundbrunnen.
Wegen der bescheidenen Unterbringungsmöglichkeiten ordnete er den Bau
eines adligen Logierhauses an.
Noch im selben Jahr wurde der Landhof, ein kleiner Bauernhof, vom Besitzer der
Papenmühle als Bauplatz angekauft. Die Baupläne entwarf der bedeutende Architekt des Frühklassizismus und Direktor des Königlichen Hofbauamtes, Carl Gotthard Langhans.

1789/90

Gleichzeitig mit dem gleichfalls von Langhans stammenden Brandenburger Tor in
Berlin entstand in Freienwalde das sogenannte Landhaus als Logier- und
Badehaus für adlige Badegäste. Die bauliche Ausführung vor Ort übernahm der
Wriezener Bauinspektor Carl Dornstein. Die Wandmalereien stammten vom Berliner Historienmaler Christian Bernhard Rode.

1832

Die Stadt Freienwalde kauft den bis dahin königlichen Gesundbrunnen für 150.000 Taler.

1840

Das Baden im Freienwalder Moor wird als zunehmend wichtigste
Behandlungsmethode eingeführt.

1865/66
Im Landhaus residiert für ein Jahr das Städtische Progymnasium.

Bis 1914

Das Landhaus dient als vornehme Pension bzw. als Logis für zahlungskräftige
Badegäste.

1914/18 Während des Ersten Weltkrieges befindet sich im Hause ein Militärlazarett.

1925 Freienwalde erhält den lange umkämpften und vom Innenminister bestätigten
Nunmehr offiziellen Beinamen „Bad“. 

Bis 1942  Die Pächterfamilie Trapp vermietet die Zimmer im Landhaus an Badegäste.

1942/46  Lazarett der Wehrmacht, später der sowjetischen Garnison.

1947-61

Im Landhaus befindet sich die Berufsschule „Bruno H. Bürgel“.

1961-75

Das Gebäude wird von der 4. Polytechnischen Oberschule benutzt, die 1973 den Namen „German Titow“ erhielt.

Ab 1975

Internat der Erweiterten Oberschule „Bertolt Brecht“, dann wechselnde Nutzungen bis zum Leerstand.

Ab 1991

Umfassende bauliche Erneuerung. Wiederherstellung der ursprünglichen Außengestaltung und Farbfassung. Bemühungen um die Wiedergewinnung der ursprünglichen Raumaufteilung. Nachbildung wichtiger Ausstattungsdetails entsprechend den historischen Vorbildern.

2002

Am 2. Mai 2002 erfolgt die Neueröffnung des Landhauses als Bad Freienwalder Kurmittelhaus.


Das Landhaus um 1935

Das Landhaus, seit 2002 als Kurmittelhaus genutzt, ist wahrscheinlich der einzige in seinen ursprünglichen Formen noch erhaltene Langhansbau in der Mark Brandenburg. Demzufolge handelt es sich um eines der wertvollsten Denkmale im Landkreis Märkisch-Oderland. Mit der Eröffnung als Kurmittelhaus erhielt das repräsentative Gebäude seine ursprüngliche Bedeutung zurück.



Friedrich Wilhelm von Brandenburg, genannt
„Großer Kurfürst“

Bad Freienwalde ist die älteste Kur- und Badestadt der Mark Brandenburg. Reizvoll eingebettet in die waldreiche Hügellandschaft des Oberbarnims und am Rande der weiten Ebene des Oderbruchs liegt sie nur 60 Kilometer von der Bundeshauptstadt Berlin entfernt.
Bereits 1683 beschrieb der Freienwalder Apotheker Gensichen die Heilkraft der hiesigen Quellen, eine Kunde, die auch an das Ohr des Landesherren, Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, drang. Nach heftigem Zureden seines Leibalchimisten Johann Kunkel und seines Leibarztes Dr. Menzel kam der Kurfürst im Sommer 1684 erstmals nach Freienwalde und fand nach Benutzung des heilkräftigen Quellwassers Linderung seines Gichtleidens. Auf seinen Befehl  wurde daraufhin der Freienwalder Gesundbrunnen gegründet und die dazugehörigen Logierhäuser erbaut. Auch der erste Preußenkönig, Friedrich I., förderte den Gesundbrunnen nach Kräften. Er ließ sich 1706 von dem Barockarchitekten und Bildhauer Andres Schlüter ein hölzernes Lusthaus auf dem Gelände des Gesundbrunnens erbauen. Es stand ungefähr dort, wo bis 1994 die moderne Fachklinik errichtet wurde.   
König Friedrich Wilhelm II. kam 1788 erstmals nach Freienwalde und war von der Schönheit der Freienwalder Landschaft beeindruckt. Um die Unterbringungsmöglichkeiten für adlige Badegäste zu verbessern, ließ er auf dem Areal des einstigen Landhofes ein Bade- und Logierhaus errichten, das sogenannten Landhaus.

Geplant war ein prächtiges Logierhaus, das den adligen Badegästen aus Berliner Hofkreisen als vornehme  und praktische Unterkunft dienen sollte. Bereits im Winter 1788 stellte der Architekt Carl Gotthard Langhans seinen Entwurf samt Kostenanschlag vor, so dass Anfang 1789 die Arbeiten beginnen konnten. Kassenwesen und Abrechnungsarbeiten übernahm der Freienwalder Bürgermeister Herzer, die Koordination der Arbeiten die Freienwalder Brunnenkommission. Mit der baulichen Ausführung beauftragte man den Wriezener Bauinspektor Carl Dornstein, während sich Langhans die obere Bauaufsicht selbst vorbehielt. Schriftliche Hinweise lassen annehmen, dass er das Vorhaben bis in gestalterische Details begleitete. Im September 1789 wurde der Dachstuhl gerichtet und der ganze Bau im Herbst 1790 fertiggestellt. Laut einer Beschreibung von 1795 umfasste das Gebäude auf seinen zwei Hauptetagen einen Speisesaal sowie 15 Fremdenzimmer, jedes ausgestattet mit einer abgeteilten Badewannennische. Im Souterrain befanden sich die Küche, die Wohnung für den Koch und eine Kupferpfanne, in der das Badewasser erhitzt wurde. Im Dachboden lagen acht Kammern für Bedienstete.

Im Jahre 1991 begann die Stadt Bad Freienwalde als Eigentümerin mit der Sicherung der Bausubstanz, zwei Jahre später mit der Restaurierung. Über einen längeren Zeitraum wurden die ursprüngliche Außenansicht und die Farbfassung wiederhergestellt. Nach historischen Vorbildern baute man zahlreiche Ausstattungsdetails nach, u.a. die barocken Füllungstüren aus Nadelholz mit originaler Farbfassung, zahlreiche Scharniere und Türschlösser sowie die Dielung aus Kiefernholz. Auch der Portikus mit seiner von Säulen flankierten Halbkreisnische und Dreiecksbekrönung wurde rekonstruiert. Außen wurde die holländische Illusionsmalerei nach Vorgaben des Denkmalschutzes erneuert und die Auffahrt nach historischem Vorbild gepflastert. Das Dach erhielt eine Neueindeckung mit Biberschwänzen. In den oberen Etagen wurden die Treppenstufen aufgearbeitet und zum Keller hin komplett erneuert. Der Keller erhielt Spezialglasfenster und eine Fußbodenheizung. Die seitliche Treppe bekam einen Schrägaufzug für Rollstuhlfahrer.
Insgesamt sind etwa 4,5 Millionen Euro für die Sanierung des Landhauses aufgewendet worden.

Aus dem einstigen Logierhaus für adlige Badegäste ist 2002 das heutige Kurmittelhaus geworden, eine Bestimmung, die der ursprünglichen wieder sehr nahe kommt.

Betreiber des Kurmittelhauses ist die Kurmittelhaus Bad Freienwalde GmbH. Hauptgesellschafter ist die Fachklinik und Moorbad Bad Freienwalde GmbH mit 51 % der Gesellschaftsanteile. Die Bad Freienwalde Tourismus GmbH hält 49 %.

Im Hause gibt es 24 Behandlungsplätze: vier Moorpackungen, zwei Medizinwannen, ein Unterwassermassage—bzw. Stangerbad, ein Vierzellenbad, zwei Elektrotherapieplätze, vier Massage- bzw. Einzelgymnastikplätze, einen Gruppengymnastikraum mit acht Behandlungsplätzen. Sie alle dienen ausschließlich der Behandlung von ambulanten Patienten. Die Anwendungen gibt es als ambulante Vorsorgemaßnahmen (offene Badekur) nach Bewilligung durch die Krankenkasse, auf Verordnung über Rezept des behandelnden Arztes oder als Selbstzahler. Das Kurmittelhaus verfügt über eine hochmoderne Mooraufbereitungsanlage.



Promenade am Papenteich um 1902

Das Landhaus auf einer Ansichtskarte von 1910

Promenade zwischen Landhaus und Brunnenhotel um 1908

Carl Gotthard Langhans (1732 – 1808), ein Hauptvertreter des Frühklassizismus in Preußen, gilt ebenso als Schöpfer des Brandenburger Tores und weiterer bedeutender Bauten in Berlin und Potsdam. Zu ihnen zählen die Kolonaden in der Mohrenstraße, das Belvedere im Charlottenburger Schlosspark, Räume im Berliner Stadtschloss und im Potsdamer Marmorpalais. Dem neuen Stilempfinden entsprechend, zeichnet sich das von ihm für den Freienwalder Gesundbrunnen entworfene Bade- und Logierhaus durch große Klarheit in der Fassadengliederung und eine maßvolle Verwendung von Baudekor aus. Auf Einflüsse der zeitgenössischen „Revolutionsarchitektur“ verweist das spannungsvolle Nebeneinander der von Rechteckformen dominierten Seitenachsen und dem großzügigen Rundbogen der zentralen Portalnische. Dem Betrachter prägt sich hierbei vor allem das Motiv der kassierten Kalotte ein, das Langhans hier vielleicht erstmals verwendete, wenig später (1791) bei seiner Orangerie im Potsdamer Neuen Garten wiederholte und das sich im folgenden Jahrzehnt großer Beliebtheit erfreute. In Berlin findet sich an vielen Bürgerhäusern aus den 1790er Jahren die Halbkreisnische wieder. Es ist daher anzunehmen, dass durch Langhans von Freienwalde aus die Berliner Schule der Baukunst jener Zeit deutlich beeinflusst wurde.

Heute handelt es sich wahrscheinlich um den einzigen in dieser Form noch erhaltenen Langhansbau im Land Brandenburg und gehört damit zu den wertvollsten Denkmälern in Märkisch Oderland. Mit der Eröffnung des Kurmittelhauses erhält das schlossähnliche Gebäude seine ursprüngliche Bedeutung zurück, des es nach dem Bau 1789/90 hatte. Carl Gotthard Langhans hätte seine Freude gehabt.

Quellen:  
Dr. Reinhard Schmook,

Das Landhaus - Von der Adelslogis zum Kurmittelhaus (Manuskript vom 7.7.2002); Historisches vom Kurmittelhaus (Manuskript vom 6.5.2002);
Bad Freienwalde. Eine Bilderreise in die Vergangenheit der ältesten Kurstadt Brandenburgs. Horb am Neckar, 2005

Ilona Rohowski:       

Landkreis Märkisch-Oderland, Teil 1: Städte Bad Freienwalde und
Wriezen, Dörfer im Niederoderbruch ( Denkmaltopographie
Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Brandenburg, Band 9.1,
Worms 2005)

 

Titelseite des Badeprospekts für die Saison 1936